Theater "Die Käuze" - Carl Kaufmann


Vita Carl Kaufmann
 Theatergründer

* 25.03.1936 New York
† 01.09.2008 Karlsruhe

Da seine Eltern Margarete und Wilhelm Kaufmann in die USA ausgewandert waren, kam Carl Kaufmann in Manhattan zur Welt. Nach einem Besuch in Deutschland, verhinderte der zweite Weltkrieg eine Rückreise in die USA. Sein Bruder Thomas wurde 1950 geboren. Der Bezug zur Kunst war bei Herrn Kaufmann zunächst so stark, dass er das Künstlerische zum Beruf machen wollte. Der Schüler des Bismarck-Gymnasiums und ehemalige Ministrant studierte Gesang / Theaterwissenschaften an der Musikhochschule Karlsruhe, absolvierte einen Abschluss als Tenor. Gleichzeitig entdeckte man sein läuferisches Talent. Sein Sportlehrer und späterer Trainer Emil Welschinger sah, dass er beim Fußballspielen schnell war und nahm ihn auf einen Leichtathletikwettkampf mit, bei dem er die 100m gewann. „Charly“ hatte Feuer gefangen.

Es folgten mehrere deutsche Meistertitel über 100 und 200m und Europameistertitel. Er besiegte den damals in Deutschland führenden Sprinter, den „weißen Blitz“ Heinz Fütterer. Immer wiederkehrende Verletzungen, die auch der Grund dafür waren, dass er 1956 nicht an der Olympiade in Melbourne teilnehmen konnte, zwangen ihn dazu, seine Laufstrecke auf die 400m umzustellen. Ein guter Entschluss, so lief der „belle ami“ der Aschenbahn 1960 bei der Olympiade am 06.September im 400m Finale zusammen mit dem Amerikaner Otis Davis auf regennasser Bahn Weltrekord. Es waren die ersten beiden Menschen, die unter 45 sec die Stadionrunde bewältigten. Damals wurde die heute standardisierte elektronische Zeitmessung eingeführt Davis lief 44,91sec und Kaufmann 44,93sec. In einem Wimpernschlagfinale warf er sich ins Ziel und verfehlte um eine Handbreite die Goldmedaille. Auch mit der 4x400m Staffel holte er Silber.
Beruflich machte er zu der Zeit eine Ausbildung als Lehrer an der Hochschule Karlsruhe. Carl Kaufmann wurde in der falschen Zeit geboren, er sagte immer: „Von Medaillen kann man keine Brötchen backen.“ Hätte ein Läufer heute so einen Erfolg, so könnte er sich sicher vor Werbeverträgen kaum retten.

Carl Kaufmann war ein Familienmensch, daher war für ihn das Reisen als Tenor nicht das Richtige, da er da zu lange von der Familie getrennt war. 1961 heiratete er Monica Ullmann, aus dieser Ehe gingen drei Söhne hervor Michael, Marcus und Christopher. Charly wurde Lehrer, war 1967 Mitbegründer des SSC-Karlsruhe und leistete in den ersten Jahren mit seiner damaligen Frau die Knochenarbeit der Verwaltung in den eigenen vier Wänden. Seine uneheliche Tochter Cathy wurde 1970 geboren. Als Ausgleich zu seiner künstlerischen Laufbahn gründete er am 27.Oktober 1967 ausgehend von einem Abschlusstreffen einer katholischen Jugendfreizeit das Amateurtheater, Theater „Die Käuze“-Karlsruhe, das er bis zu seinem Ableben leitete. Er brachte es auf 131 Inszenierungen.
Am 01.09.1981 heiratete er Sabine Kowallik. Aus dieser Ehe ging Tochter Larissa hervor.
Nachdem er in den Ruhestand gegangen war, häuften sich gesundheitliche Probleme. Trotzdem machte Carl Kaufmann keine Pause, er hatte noch soviel zu tun, soviel vor, noch soviel zu geben. Er wollte nicht gehen. Er starb am 01.09.2008 nach einem schweren aber kurzen Krebsleiden.
Er war ein sehr engagierter Mensch, Vater, Lehrer, Intendant, der oftmals seine Bedürfnisse hinten anstellte, um das Theater voranzutreiben. So war und ist das Theater für viele bis heute wie eine große Familie, bei der man sich auch mal in die Haare kriegen darf, bei der man sich zusammenraufen muss, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Aber bei der es auch viel zu lachen gibt und zu der man gerne gehört. Die Verbindung von Sport und Kultur lag Carl Kaufmann immer sehr am Herzen.

Danke Charly